Misswirtschaft, Korruption oder Machtgier - damit machen viele afrikanische Politiker von sich reden. Aber Afrika hat auch viele mutige Politiker mit Visionen hervorgebracht. Der Rapper Awadi hat ihnen eine CD gewidmet.
Musiker mit politischem Anspruch: Awadi
Er ist der Star der westafrikanischen Rapper: Didier Awadi ist bekannt für kritischen, gleichzeitig aber tanzbaren HipHop. Jetzt hat Awadi eine neue CD rausgebracht - eine CD, auf der er die afrikanischen Polit-Größen ehren will - Politiker wie Thomas Sankara. Sankara wurde vor mehr als 20 Jahren umgebracht. Bis heute ist der Tod des Ex-Präsidenten von Burkina Faso ungeklärt. Jetzt kommt Sankara wieder zu Wort. Auf Awadis CD "Presidents d’Afrique" spricht der Che Guevara Afrikas über die Bedeutung der Freiheit für sein Volk.
Helden ohne Spuren
Unbequemer Präsident: Thomas Sankara
Von Kwame Nkrumah bis Nelson Mandela hat der senegalesische Rapper auf seiner neuen CD alle bedeutsamen afrikanischen Politiker versammelt. Oder jedenfalls die, die er für besonders wichtig hält. Ein großes Projekt mit Bildungsauftrag. "Weil wir unsere Geschichte nicht genug kennen", sagt Awadi. "In den Ländern, die kolonialisiert wurden, haben die Kolonialherren häufig die großen Helden zerstört. Vorbilder wie Thomas Sankara wurden sehr jung umgebracht." Ihre Nachfolger hätten versucht, alle Spuren auszuradieren, sagt Awadi. Im Fall Thomas Sankara verdächtigen viele bis heute Sankaras ehemaligen Weggefährten und Nachfolger im Präsidentenamt Blaise Compaoré. Seit Sankaras Tod steht Compaoré in Burkina Faso an der Spitze der Regierung. Ermittlungen gegen ihn hat es nie gegeben.
Musik als Verpackung
Awadi hat Archive durchsucht, die wichtigsten Reden der Politiker ausgewählt und schließlich das Ganze mit Musik gemischt. So spricht der erste Ministerpräsident der Demokratischen Republik Kongo, Patrice Lumumba, in dem Song "Ensemble" zu den gerade unabhängig gewordenen Kongolesen. Wie Sankara musste Lumumba früh sterben. Belgische Offiziere hatten den charismatischen Politiker mit den revolutionären Ideen erschossen.
Patrice Lumumba als Konzert-Star
Für Awadi stehen bei dieser CD die Original-Aufnahmen der Politiker im Vordergrund. Die Musik ist da eher Mittel zum Zweck. "Wir müssen das Gefühl von Stolz wiederfinden. Und das Gefühl, zu einem großen Schicksal zu gehören", sagt Awadi. Deshalb habe er beschlossen, die Leute müssten die Stimmen der großen historischen Afrikaner hören. "Von da an kannst Du an etwas glauben. Und mit der Musik habe ich mir gesagt, so interessiert es vielleicht auch Leute, die sich sonst nicht für Geschichte interessieren."
"We've got to unite!"
Awadi und Smockey
Aufgenommen hat Awadi die Songs zum großen Teil mit Künstlern aus den jeweiligen Ländern der Politiker. So hat er bei dem Lumumba-Song unter anderem mit dem kongolesischen Musiker Fredy Massamba gearbeitet, die Musik zu Thomas Sankara hat Awadi mit dem Rapper Smockey aus Burkina Faso aufgenommen. Er hat bei den Aufnahmen zu "Presidents d’Afrique" Musiker aus allen Teilen Afrikas kennengelernt, er hat auf Lingala gesungen, auf Moré oder auf Kiswahili - und er hat dabei eine große Gemeinsamkeit entdeckt: "Ich habe mehr als 40 Länder in Afrika besucht. Ich habe die Aufnahmen mit Leuten aus dem Norden, Süden, Osten und Westen gemacht. Wir haben alle die gleiche Liebe für ein geeintes Afrika. Alle! Alle werden Dir sagen – 'Afrika vereine Dich.' Ja wir schaffen das. Wir glauben daran." Ein vereintes Afrika - ein ganz aktueller Traum. Aber es ist auch ein Traum der schon eine lange Geschichte hat. "We’ve got to unite" - das hat schon Ghanas erster Präsident Kwame Nkrumah gesagt. Und mit genau diesen Worten kommt er dann auch bei Awadis großem Projekt zu Wort.
Autorin: Christine Harjes
Redaktion: Dirk Bathe