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Energie

Strom aus Kohle zerstört ganze Berge

Eine Abkehr von der Nutzung der begrenzten fossilen Ressourcen ist trotz der damit verbundenen Umweltbelastung nicht einfach. Im US-Bundesstaat Kentucky setzt man vor allem auf die "saubere Kohle".

Ernie Lucas neben einem Kohlewagen in einer Mine
in Good Spring, Pennsylvania, USA. Foto: AP

Die Hälfte des amerikanischen Stromes wird aus Kohle gewonnen

Francis Scott Howard hat den Kohlestaub noch auf Gesicht und Händen. Er ist von seiner Frühschicht nach Whitesburg gekommen. Der kleine Ort liegt mitten in den Bergen im Osten Kentuckys. Scott, wie ihn alle nennen. fährt seit 30 Jahren in die Kohleminen Kentuckys, um Steinkohle ans Tageslicht zu fördern. Es ist eine gefährliche Arbeit. Er habe sich den Rücken gebrochen, mehrere Augenverletzungen erlitten, erzählt er: "Einige Wirbel im unteren Teil des Rückgrats sind auch kaputt, genauso wie meine Knie." Denn über 20 Jahre habe er in Minen gearbeitet, die nur 90 und manchmal sogar nur 50 Zentimeter hoch sind. Das ständige Kriechen auf Händen und Knien hat seine Spuren hinterlassen.

Francis Scott Howard, 50, seit 30 Jahren Bergarbeiter in Kentucky, USA, Foto: Christina Bergmann (DW)

Francis Scott Howard arbeitete seit 30 Jahren im Bergbau

Scott ist eine Ausnahme: Denn er redet offen über die Zustände im Bergbau im Osten Kentuckys, wo, wie er sagt, Profit über Sicherheit siegt. Hier vertritt nur selten eine Gewerkschaft die Interessen der Männer, die dafür sorgen, dass in den USA das Licht nicht ausgeht. Der Bundesstaat in den Appalachen ist der drittgrößte Kohleproduzent in den USA. Mehr als 86.000 Bergarbeiter fördern in den USA die Kohle, mit der die Hälfte des Stromverbrauchs der Amerikaner gedeckt wird.

Rohstoff für 250 Jahre

In Kentucky gibt es viele, die meinen, dass man auf die Kohle noch die nächsten 50 Jahre angewiesen ist. Rodney Andrews ist einer von ihnen. Er leitet das CAER, das Zentrum für angewandte Energieforschung der Universität von Kentucky in Lexington. Im weltweiten Vergleich mit anderen Treibstoffen wachse die Nachfrage nach Kohle am schnellsten, sagt er. "Wir besitzen größere Vorkommen von Kohle als von allem anderem, mit Ausnahme vielleicht von Öl." Und es gebe derzeit noch keine Technologie, die Kohle sofort ersetzen könne.

Ganze Bergspitzen werden weggesprengt beim Mountaintop Mining in Kentucky

Wenn der Berg seine Schätze hergegeben hat, schieben riesige Bagger den restlichen Schutt zusammen. Die Erde ist vergiftet.

Für 250 Jahre würde der Kohlebestand in den USA noch reichen, rechnen die Optimisten. Der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromproduktion beträgt in den USA gerade neun Prozent. Auch der Ausbau der Atomenergie, der jetzt 20 Prozent des Stromverbrauchs deckt, kann nicht von heute auf morgen stattfinden, erklärt Andrews: "Selbst wenn wir heute beschließen, ein Atomkraftwerk zu bauen, würde es 20 Jahre dauern, bis es in Betrieb gehen kann."

Konkurrenzlos billig

Das größte Problem ist aber der Preis: Der Bundesstaat Kentucky hat derzeit mit 6 Cent pro Kilowattstunde den billigsten Strom im ganzen Land. Der Durchschnitt liegt bei 9,4 Cent pro Kilowattstunde. Doch sollte der Gesetzgeber beschließen, dass Luftverschmutzung etwas kostet, sieht die Rechnung anders aus. Dann würde finanziell attraktiv, die Kohle möglichst sauber zu verbrennen. Viele Forschungsgruppen an der Universität in Lexington arbeiten deswegen an dem Projekt der sogenannten "sauberen Kohle". Dabei geht es vor allem darum, das Kohlendioxid zu binden – und es dann irgendwo zu lagern. Doch schon das Einfangen des schädlichen Gases ist noch nicht im großen Umfang zu vernünftigen Preisen möglich.

Ein kleines Testkraftwerk im Zentrum für angewandte Energieforschung der Universität von Kentucky. Hier sollen Algen das Kohlendioxid aus dem Kohlenrauch aufnehmen, Foto: Christina Bergmann

Mit Hilfe von Algen soll Kohle eines Tages sauber werden

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