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  • Wo ist die Kunst in Kowloon?

    Hongkong im Bilderrausch

    Wo ist die Kunst in Kowloon?

    Diese Woche trifft sich der Jet Set der Sammler, Galeristen und Museumsmacher auf der Art Hongkong. Asiens wichtigste Kunstmesse erwartet über 60.000 Besucher. Die Finanzmetropole geht neue Wege: Ausgerechnet die Kunst soll helfen, sich im globalen Wettbewerb zu behaupten. Wo ist die Kunst in der Stadt? 24 Stunden unterwegs in Hongkong. Mit Tram, Taxi und Fähre.

  • Victoria Harbour, 9 Uhr

    Hongkong im Bilderrausch

    Victoria Harbour, 9 Uhr

    In Hongkong wird Geld verdient und ausgegeben. Kunst spielte bisher allenfalls eine Rolle als heiß begehrte Ware auf Auktionen. Die Millionenmetropole hat kein Museum von Rang, Chinas Kunstszene zog es bisher nach Peking und Shanghai. Das soll sich ändern: mit der Fähre geht es von Hongkong Harbour nach West Kowloon, wo Asiens größtes Kunstmuseum entstehen soll.

  • West Kowloon, 10 Uhr

    Hongkong im Bilderrausch

    West Kowloon, 10 Uhr

    Kulturmanager Tobias Berger hat große Pläne, er gehört zum Führungsteam des Museumsprojekts. M+ soll Asiens größtes Zentrum für visuelle Kunst werden - ein zeitgenössisches Museum auf Weltniveau, das Kunst, Film, Design und Architektur zusammenbringt. Welcher Architekt das Haus bauen darf, wird demnächst entscheiden.

  • West Kowloon, 10 Uhr

    Hongkong im Bilderrausch

    West Kowloon, 10 Uhr

    Im Schatten monumentaler Finanztürme und Wohnmaschinen entsteht das West Kowloon Cultural District. Es umfasst den gesamten Uferstreifen im Vordergrund. Neben dem Museum M+ , das schon 2017 eröffnen soll, sind ein Opernhaus, Konzerthallen und Tanzbühnen geplant. Nur zwanzig Prozent der Baufläche sollen als Shopping Mall genutzt werden - für Hongkong erstaunlich wenig.

  • Messezentrum, 14 Uhr

    Hongkong im Bilderrausch

    Messezentrum, 14 Uhr

    Exklusive Vorbesichtigung der Art Hongkong für die Kunst-VIP's. Die Berliner Galerie Neugerriemschneider zeigt nachtschwarzen Glanz: Ai Weiweis Ölkleckse scheinen aus dem Sternenhimmel der Objekte Olafur Eliassons herauszutropfen. Dazwischen vernebeln die Tapisserien der Kalifornierin Pae White den Blick.

  • Messezentrum, 15 Uhr

    Hongkong im Bilderrausch

    Messezentrum, 15 Uhr

    Noch mehr Glanz: Zaha Hadids "Liquid Glacial" ist Kunstobjekt und Tischmöbel zugleich. Der Preis: 380.000 Dollar - die Art Hongkong setzt auf Asiens neue Magnaten. Seit die Art Basel, Nummer eins der Kunstmessen, sich 2011 einen Mehrheitsanteil gesichert hat, spielt Hongkong ganz vorne mit. Der Anteil der asiatischen Galerien soll weiterhin über 50 Prozent liegen - lokales Flair ist gefragt.

  • Messezentrum, 16 Uhr

    Hongkong im Bilderrausch

    Messezentrum, 16 Uhr

    Freiheit der Kunst: in Hongkong zeigt der Pekinger Galerist Urs Meile ein Werk des von chinesischen Behörden massiv bedrängten Künstlers Ai Weiwei. Die Installation besteht aus Dokumenten und Listen mit knapp 5200 Namen der Opfer des Erdbebens in Sichuan 2008. Weiwei entlarvt seit Jahren die Mitverantwortung der Behörden für Baupfusch und Korruption.

  • Fo Tan, 17 Uhr

    Hongkong im Bilderrausch

    Fo Tan, 17 Uhr

    In einem düsteren Industrieblock im Vorort Fo Tan arbeiten zwei Pioniere der lokalen Kunstszene an ihrem neuen Werk. Sara Wong Chi Hang und Chi Wo Leung haben in den 90er Jahren Hongkongs ersten zeitgenössischen Kunstraum "Para/Site" mitgegründet. Sie setzen darauf, dass auch die unabhängige Künstlerszene vom neuen Hype um die Kunst profitieren wird.


  • Hongkong Island, 18 Uhr

    Hongkong im Bilderrausch

    Hongkong Island, 18 Uhr

    Am Anfang standen die Auktionen: chinesische Kunst - vom Porzellan der Kaiserzeit bis zu zeitgenössischen Malerstars - verkauft sich seit einem Jahrzehnt zu Rekordpreisen. Das meiste kommt hier in der City von Hongkong bei Sotheby's und Christie's unter den Hammer. Vor allem chinesische Sammler greifen zu. Dank Hongkong wird in China weltweit mehr Kunst verkauft als in New York oder London.

  • Hongkong Central, 19 Uhr

    Hongkong im Bilderrausch

    Hongkong Central, 19 Uhr

    Nervöse Anspannung bei Gagosian: in ein paar Minuten startet die Vernissage mit Werken des Starkünstlers Andreas Gursky. Gagosian ist die vielleicht mächtigste Galerie der Welt. Sie vertritt
    Topkünstler und hat erst vor kurzem eine Branche in Hongkong eröffnet. Von hier aus will man die neuen asiatischen Sammler gewinnen: eine konsumfreudige Zielgruppe, der nichts zu teuer ist.

  • Hongkong Central, 20 Uhr

    Hongkong im Bilderrausch

    Hongkong Central, 20 Uhr

    Meditation vor einem der grossen Formate von Andreas Gursky. Kunst für Chinas Sammler? Warum nicht, meinen die Galeristen. Wichtig ist, den Markt genau zu kennen und persönliche Kontakte aufzubauen. Deshalb ziehen jetzt immer mehr große Galerien nach Hongkong oder bewerben sich wenigstens um einen der zunehmend umkämpften Stände auf der Art Hongkong.

  • Taxi nach Kowloon, 21 Uhr

    Hongkong im Bilderrausch

    Taxi nach Kowloon, 21 Uhr

    Man muss die Kunst nicht einfliegen nach Hongkong, sie ist schon hier. Zum Beispiel in Kowloon, einem eher ruppigen Quartier aus Strassenmärkten und Handwerksgassen, am Rande eines alten Rotlichtbezirks. Hier will das Museum M+ zeigen, dass es schon lange vor der Eröffnung quicklebendig ist.

  • Yau Ma Tei, 23 Uhr

    Hongkong im Bilderrausch

    Yau Ma Tei, 23 Uhr

    Die Ausstellung ist eröffnet. Schauplatz für die Kunst ist ein leer stehendes Geschäft mitten in Kowloon. An insgesamt sechs Orten im Viertel Yau Ma Tei haben die Macher des Museumsprojekts M+ einen "nomadischen" Parcours mit Werken junger Künstler improvisiert. Zur Freude der Szene, denn es sieht jetzt hier in Hongkong ein bisschen aus wie in Berlin oder New York.

  • Yau Ma Tei,  0 Uhr

    Hongkong im Bilderrausch

    Yau Ma Tei, 0 Uhr

    Künstler Yu Lik-wai lehrt mit seiner Installation Fantomas die mitternächtlichen Besucher das Gruseln. Draußen in Yau Ma Tei endet derweil die Vernissage bei Wein und scharfen Hackbällchen. Tag 1 des Eventzirkus rund um die Kunstmesse hinterlässt fast so etwas wie Euphorie. Vielleicht ist ja wirklich etwas dran an der großspurigen Vision vom "Kunstdrehkreuz" Hongkong.


    Autorin/Autor: Rainer Traube | Redaktion: Jan Bruck

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